Warum unser Zuhause ist, wie es ist...

ANFÄNGE

Nach dem Bau des Hauenstein Basistunnels von Tecknau nach Olten (1910 - 1916) orientierte sich der Unternehmer Ercole Coletti neu. Da er aufgrund des wirtschaftlichen Abschwungs einige seiner Kantinen stillegen musste, begann er, landwirtschaftliche Güter wie Kirschen, Zwetschgen, etwas Äpfel und Birnen und wenig Gemüse am Bahnhof Tecknau anzukaufen und via Bahn zu den Abnehmern (Läden, Markthändler, Brennereien, Konserven- und Konfitürenfabriken) nach Basel oder ins Mittelland zu transportieren.

Als zweites Handels-Standbein kaufte er in seiner alten Heimat Italien günstig Junggeflügel ein und liess es per Bahn nach Tecknau bringen, wo er es weiter aufzog bis zur Legereife. Anschliessend verkaufte er die Hühner an die Bauern der Umgebung. Die Obst- und Geflügelhandlung war geboren!
Mit Pferd und Wagen wurde das Junggeflügel persönlich an die Landwirte geliefert und dabei die nächste Obstlieferung in die Wege geleitet. Zudem wurde nicht mehr legendes Altgeflügel wieder zurückgenommen, welches auf den Wochenmärkten als Schlachthühner von der jüdischen Bevölkerung erstanden wurde.



AUS- UND UMBAU

Um den Anfängen seines jungen Geschäftes Rechnung zu tragen, wurden am Zelgliweg Hühnerstallungen, eine Garage und ein Pferdestall gebaut. Ausserdem wurde ein LKW (das zweite Auto in Tecknau!) angeschafft und ein Magazin mit Verladerampe erstellt.
Die Zwanzigerjahre waren geprägt von einer steten Expansion der Absatzmärkte und -mengen, auch der Kundenstamm wurde zunehmend grösser. Dennoch blieb die Obst- und Geflügelhandlung ein Kleinbetrieb. Zwar beschäftige Ercole zeitweise einige italienische Hilfsarbeiter, hauptsächlich arbeiteten jedoch er, seine Frau und seine drei Kinder im Betrieb.
Für jede Krisensituation - wie der Wirtschaftskrise nach dem Börsencrash 1929 - fand Ercole eine Lösung. Häufig verkaufte er Grundstücke und Gebäude und erwarb dauraufhin bessere. Als Baumeister war er fähig, seine Häuser selber zu errichten, was ihm bei Arbeits- oder Kapitalmangel zugutekam. Der Zweite Weltkrieg brachte eine weitere grosse Veränderung mit sich: durch das Importverbot wurde beschlossen, einfach selber Junghennen zu züchten. Bereits ab 1940 wurden mit eigenen Brutapparaten Eier ausgebrütet und Junghennen aufgezogen.


AUFSCHWUNG DER NACHKRIEGSZEIT

Für die chemische Industrie in Basel wurden zahlreiche Versuchstiere gebraucht, weshalb Ercole Kaninchen, Meerschweinschen, Ratten, Mäuse und Kücken züchtete. Der Handel verzweigte sich noch weiter in solche Nischensparten: Fellhandel, Federn für die Bekleidungsindustrie, Gänsedaunen für Betten und Matratzen und der Verkauf von Suppenhühnern. Viele weitere Ställe für die Kücken- und Junghennenaufzucht wurden gebaut und Ercole übergab die Geschäftstätigkeit zunehmend seinem Sohn Luigi I und dessen Frau Clara, welche u.a. mit Begeisterung die Bienenzucht und -haltung aus den 1930er Jahren weiterführte. 1959 verstarb Ercole - in der Zeit, in der der Betrieb seinen Höhepunkt erreicht hatte.


ABSCHWUNG UND GESCHÄFTSABGABE

Ab den 1960er und 70er Jahren waren Hühner immer weniger auf den Bauernhöfen anzutreffen und die Landwirte der Region schlossen sich zu Genossenschaften zusammen, um unter anderem den Handel mit den Landwirtschaftsgütern selber in die Hand zu nehmen,weshalb die Obst- und Geflügelhandlung nicht mehr bestehen konnte. Zudem musste Luigi I sein Arbeitspensum ab 1969 wegen einer Darmkrebserkrankung reduzieren. Und nach seinem Tod fünf Jahre später verkaufte sein Sohn Luigi II die noch brauchbaren Geräte, Apparate und mobilen Ställe der Geflügelhandlung.
Erhalten geblieben sind einige Hühnerställe und Erzählungen der alten Bauern. Und natürlich wir Hühner, die heute den ehemaligen Schafstall stolz unser Zuhause nennen.